Unterwegs

Politische Begegnungsreise nach Kiew, 2.-7. September 2010

6. Oktober 2010, Comments (0)

In der ersten Septemberwoche 2010 fuhren die Freundinnen und Freunde der Heinrich-Böll-Stiftung nach Kiew, um die Details der Stiftungsarbeit vor Ort kennen zu lernen, die innen- und außenpolitische Lage der Ukraine besser zu verstehen und Einblicke in Demokratisierungsprozesse, Menschenrechtsdiskurse und Klima- und Energiepolitik zu erhalten.

In den Briefings und darauf folgenden Gesprächen in der deutschen Botschaft und in der Vertretung der EU-Kommission teilte man die Einschätzung, dass das neue Wirtschaftsprogramm von Janukowytsch positiv zu bewerten sei und der Regierungskurs trotz negativer Presse „europaorientiert“ sei. Im Gespräch mit einem fraktionslosen Abgeordneten standen ebenfalls die Ausrichtung der Innen- und Außenpolitik im Vordergrund; auch wurden die Rolle der parlamentarischen Opposition und das Ausmaß von Eingriffen in die Pressefreiheit besprochen.

Mit Partner/inne/n der Stiftung aus der ukrainischen Redaktion der Deutschen Welle, dem Herausgeber der Zeitschrift Ukraina Moderna und einem unabhängigen Politologen konnten wir die Sonnen- und Schattenseiten der aufkeimenden Zivilgesellschaft diskutieren und Einblicke in das nationale Identitätsgefühl der (den Individualismus sehr liebenden!) Ukrainer bekommen und mehr über die Auseinandersetzung mit der sowjetischen Erbschaft erfahren. Zur Sprache kam auch die enorm wichtige Rolle der nicht selten chamäleonartigen NGOs, ihren Wirkungsfeldern und Wirkungsmöglichkeiten. Dabei entstand ein komplexes Bild der im Westen oft vereinfacht dargestellten und schwarz-weiß interpretierten Zerrissenheit der ukrainischen Gesellschaft.

„Xeno- und Homophobie in der Ukraine: warum sinkt die gesellschaftliche Toleranz?“ war das Thema des Gesprächs mit den Projektpartner/inne/n der hbs aus den Bereichen Menschenrechte, Gender und LGBT. Dem war zu entnehmen: Genderthemen finden zwar in der Gesellschaft relativ kurz nach dem Umbruch kaum Interesse, jedoch kann man eine positive Tendenz beobachten, da trotz des Widerstands der Ultrarechten in den letzten Jahren werden immer mehrere Organisationen aktiver. Weit verbreitete Fremdenfeindlichkeit paart sich damit, dass fremdenfeindliche Straftaten nicht als solche erfasst werden und das Problem politisch heruntergespielt wird.

Highlight und zugleich Schreckensbild der Folgen der Atompolitik stellte die Fahrt nach Tschernobyl dar. Tief beeindruckend waren der Besuch der Kernzone mit dem stillgelegten AKW und der verlassenen Stadt Pripjat. Begleitet wurden wir von einem Tschernobylexperten und ehemaligen Liquidatoren des AKW nach dem Gau, der uns das damalige Geschehen und die heutige Atomkraft-Politik der Regierung schilderte. Diese setzt weiterhin primär auf Kernenergie, ohne eine Lösung für die Endlager-Frage zu finden – angesichts der mit unserem Besuch zeitgleichen Verlängerung der Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke taten sich durchaus politische Parallelen auf und wir hätten so manchem schwarz-gelben Regierungsvertreter gewünscht, uns bei dem Tschernobyl-Besuch begleitet zu haben.
Über die aktuelle Klima- und Ökologiepolitik der Regierung und Aktivitäten der Umwelt-NGOs konnten wir uns auch im Gespräch mit den Vertreter/inne/n des Nationalen Ökologischen Zentrums der Ukraine informieren. Fazit war, dass Regierungsprogramme fehlen, die auf die nachhaltige Entwicklung der Bereiche Transport, Energie und Klimaschutz (z.B. Reduktion des CO2 -Ausstoßes) ausgerichtet wären.

Die Stadt Kiew zeigte sich bei bestem Wetter in ihrer ganzen Schönheit und ihrer architektonischen Mischung aus sozialistischen Bauten, den goldenen Kuppeln orthodoxer Kirchen und hochmodernen Geschäftshäusern. Bei der Stadtbesichtigung besuchten wir auch das außerhalb in Birkenwäldern gelegene Babij Jar – Ort der Massenerschießungen von Juden durch die SS im Jahre 1941.

Die informellen Gespräche mit den Mitarbeiter/inne/n des Kiewer Stiftungsbüros, die uns rundum begleiteten und wunderbar betreuten, halfen uns, die Mentalität der Ukrainer, ihre Ängste und Zukunftsperspektiven, die Wahrnehmung der politischen Kultur des Landes durch die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten und das System der allgegenwärtigen Korruption besser zu verstehen.

Von Paulina Berndt

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Radiobeitrag von Christoph Richter:
Ukraine: Vorwärts, wir müssen zurück. Die Rückkehr zu KGB-Methoden (gesendet am 17.09.2010)

Radiobeitrag von Christoph Richter:
Tschernobyl – Trip in die Todeszone (gesendet am 30.09.2010)

Tag 2: Reisebericht Moskau

16. Juni 2010, von , Comments (1)

Lieber Heinrich!

Ich hoffe Dir geht es gut, in Moskau läuft alles super. Ich habe mich gleich freiwillig gemeldet, um dir das Neueste von heute zu bloggen.

Das Hostel ist in schlichtem Sowjetcharme gehalten (im positiven Sinne), und das Frühstück erinnert auch etwas an die Geschichte Russlands. Aber wir mögen es alle sehr und freuen uns immer auf den Tag in dieser riesigen, aufregenden Stadt. Die Metro ist der Hammer und wir sind alle von der improvisierten, aber funktionierenden russischen Hauptstadt begeistert, vielleicht auch manchmal überfordert (diese Anekdoten erzählen wir dir dann zu Hause…)

Wir haben heute wirklich viel erlebt: Obwohl die meisten von uns nicht so viel geschlafen haben, haben wir uns alle (fast) pünktlich um 7:50 Uhr (Moskauer Zeit; nach Berliner war es 5:50 Uhr) an unserem Treffpunkt eingefunden., um die Stadt zu erobern. Wir haben die Redaktion von Radio Svoboda (Radio Liberty) hier in Moskau besucht und ein tiefgründiges Gespräch mit einer der ChefredakteurInnen geführt. Obwohl die Radioanstalt von amerikanischen Geldern abhängig ist, wurde mir klar, dass auch dieses Medium für Medienvielfalt in Russland beiträgt.

Dagegen fanden viele das Gespräch im Institut für Journalismus in Extremsituationen nicht so informativ, da unsere GespraechspartnerInnen in ihren Antworten auf unsere kritischen Fragen sehr wage geblieben sind.

Das Highlight des Tages war unangefochten unser Besuch in der Redaktion von Novaja Gazeta: Wir haben junge, kluge und engagierte JournalistInnen getroffen, die man sich gerne als Vorbild nehmen möchte. Danach sind sogar einige mit uns in ein tolles Restaurant in einem Keller (ich habe den Namen vergessen) gegangen und wir konnten den Abend bei russischen Spezialitäten und allerlei persönlichen Erfahrungsberichten ausklinken lassen.

Wir halten dich auf jeden Fall auf dem Laufenden! Denn wir haben uns für die naechsten Tage sehr viel vorgenommen…

Herzlich,
Mohamed, der einmal als Enkel von Boell bezeichnet wurde

Tag 1: Reisebericht Moskau

15. Juni 2010, von , Comments (0)

Lieber Heinrich,

heute morgen begann unsere Reise nach Russland mit dem Abflug in Berlin. Für viele von uns der Beginn eines kleinen Abenteuers, vor allem für jene, die noch nie zuvor in Russland waren. Mit der Ankunft am Flughafen Vnukovo fand dieses Reiseunternehmen auch gleich einen ganz interessanten Auftakt: Insgesamt zwei Stunden durften wir warten, bis wir die Passkontrolle passiert hatten. Wer nun aber glaubt, dies läge daran, dass man dich, Heinrich, und deine Truppe hier eventuell nicht mag, der irrt. Denn alle Passagiere ohne russischen Pass mussten sich in einer der 15 Schlangen einreihen und sich in Geduld üben. Das bot aber schon mal reichlich Zeit für erstes Schnuppern. Schnell konstatierten wir, dass in Vnukovo Rauchern durchaus entgegengekommen wird. In einer Ecke der Wartehalle prangt ein Werbebanner der Zigarettenmarke “Winston” (ein bisschen verwirrend, sicherlich hätte man diesen Schriftzug vor 20 Jahren vergeblich an einem Moskauer Flughafen gesucht. Davor stehen ein paar Stehtische, die vor allem von Herren besucht werden. Eingegrenzt wird der Bereich von einer roten Linie auf dem Boden, was aber nicht verhindert, dass sich die Rauchschwaden einen Weg über die Köpfe der ungedulgigen Neuankömmliche suchen …

Fuer Erheiterung sorgten die Anstrengungen, die einzelne Personen immer wieder zeigten, um das Warten abrupt abzukürzen. Einer erklärte, er müsse sofort ins Krankenhaus, andere Personen verwiesen auf ihre quengelnden Kinder. Wiederum andere Drängler sagten einfach gar nichts und schlichen sich von der Seite in die Schlange. Aber unsere Reiseleiterin Simone drehte nach einiger Zeit richtig auf und verteidigte auf Russsisch tapfer die Position unserer Gruppe an der Spitze der Schlange, die wir irgendwann erlangt hatten – Chapeau!

Vom Flughafen brachte uns der der Expresszug in die Stadt (in dem seltsamerweis auf Flachbildschirmen die norwegische Fauna und Städtewelt beworben wurde…), vorbei ging es an Wäldern, ehe wir recht bald direkt ins Moskauer Häusermeer eintauchten, dessen Ausmasse wir zuvor bei unserem Anflug bereits erahnen konnten.

Nach einem Abendessen mit den MitarbeiterInnen des Moskauer Büros der Heinrich-Böll-Stiftungin bezogen wir unser Hostel. Mitten in der Stadt wohnen wir nun; umgeben von mehreren Hochhäusern wirkt unser im 5. Stock eines Altbaus gelegenes Hostel etwas eingeklemmt. Dafuer ist der Blick auf die breite, sechsspurige Strasse von hier oben umso beeindruckender.

Trotz der Strapazen der Reise und der zweistündigen Zeitumstellung machten wir uns anschliessend noch einmal für einen längeren Spaziergang auf. Abends um 23 Uhr Ortszeit standen wir dann endlich am Rande des Roten Platz. Ein paar andere Touristen waren da noch, ansonsten war leider nicht viel begehbar, da die Reste der festlichen Aktivitäten vom Wochenende (Samstag war in Russland Feiertag) noch abgebaut wurden.

Soweit also unser erster Tag hier in Moskau. Ich denke, lieber Heinrich, dass wir hier eine spannende Zeit haben werden und freue mich jetzt schon auf die Woche!

Johannes

Reiseberichte Moskau

15. Juni 2010, von , Comments (0)

Jung, modern, rasant – das ist Moskau. Für einige StipendiatInnen des Programms “Medienvielfalt anders” Grund genug, sich dort einmal genauer umzuschauen. Als künftige JournalistInnen interessiert sie aber in erster Linie die Rolle der Medien in Russland. Das ist auch das Thema der einwöchigen Reise, von der die StipendiatInnen in diesem Blog berichten.

Tag 10 – Recherchereisen

30. Mai 2010, Comments (0)

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, verstreut in der ganzen Region.

Von Haifa bis Jaffa, von Jenin bis Hebron – am Research-Tag reisten wir individuell zu Orten und Menschen, über die wir mehr herausfinden wollten. Hier ein paar Eindrücke:

Maria Ketzmerick besuchte mit einer Aktivistin von Machsom Watch Checkpoints der israelischen Armee:


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Tag 8-Totes Meer

25. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Tobias Ide

Wo (noch) Milch und Honig fließt?

Obwohl dieser Satz wohl in so ziemlich jedem Reiseführer zu Israel/Palästina zu finden ist, trifft folgende Floskel zu gut auf den heutigen Tag zu, um sie nicht zu erwähnen: Israel/Palästina ist ein Land der Gegensätze.

Nach vier Tagen starker Eindrücke von der israelischen Besatzungspolitik durch ein enges Programm in Ramallah und Ostjerusalem konnten wir heute einige entspannende Momente genießen. Mit dem Bus ging es vom Ölberg aus durch eine faszinierende Wüstenlandschaft, vorbei an der religionsgeschichtlich bedeutenden Fundstätte Qumran zum Nationalpark El Gedi. Dieser ist im wahrsten Sinne des Wortes eine grüne Oase. Umgeben von sengender Wüstenhitze kann man eine eindrucksvolle Bergformation entlang eines Wasserfalls erklimmen und findet immer wieder kühlende Badestellen und schattenspendende Palmen. Trotzdem wurden wir immer wieder an die Präsenz des Konflikts erinnert: durch stacheldrahtbesetzte Zäune auf den Berggipfeln; durch eine Broschüre des Nationalparks, die Israel in seinen international nicht anerkannten Grenzen zeichnet und die Präsenz jeglicher palästinensischer Ortschaften ignoriert; und zuletzt durch zwei Vorträge, die uns die Wasserknappheit im Nahen Osten und deren möglicherweise konfliktverschärfende Wirkung vor Augen führten. Nicht nur ist Wasser in der Region knapp und wird als Folge des Klimawandels und der Übernutzung der Grundwasserspeicher in Zukunft noch weniger verfügbar sein. Auch die ungleiche Verteilung – einem Israeli steht im Durchschnitt vier Mal so viel Wasser zur Verfügung wie einem Palästinenser – machte uns nachdenklich.

Das einmalige Erlebnis des Badens im Toten Meer und der anschließende Kampf um einen Dusche zwecks Erfrischung und Entsalzung sorgte wieder für Entspannung, oder zumindest Ablenkung.

Gesunkener Wasserspiegel des Toten Meeres infolge von Übernutzung

Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Kibbuz in der Nähe von Sderot, in eine Gegend also, die immer wieder durch von Extremisten aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen gebeutelt wird. Doch erneut ließ uns die Frage nach der israelisch-palästinensischen Umwelt nicht los. Zahlreiche landwirtschaftliche Oasen, durch künstliche Bewässerung in Mitten der Wüste am Leben erhalten, säumten unseren Weg. Können wir mit dieser wasserintensiven Politik auf Kosten der Palästinenser und zukünftiger Bewohner der Region einverstanden sein, gerade, weil die Landwirtschaft nur zwei Prozent zum israelischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt? Und falls nicht: Wie könnte man die Situation verändern? Wäre ein hoch umstrittener Boykott israelischer Agrarprodukte die Lösung? Oder gäbe es andere Wege?

Tag 6 – Ramallah

23. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Yulia Lokshina

Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Ra-mal-lah.

Grelles Licht und schwindelig summendes Straßenleben. Vorbei an Datteln und Aprikosen, Gewürzen und wehenden Stoffen. Der große Markt ist reiner Wirbel, der einen immer weiter in die Tiefe saugt. Zwischen den Reihen schleichen Jungs und bieten einem an in großen Supermarktwägen die Einkäufe hinterher zu fahren. Jede Ecke scheint einen zu sich zu rufen. Mit der untergehenden Sonne legt sich der erlösende frische Wind über die Straßen, und fegt die letzten Frauen davon. Die Autos hupen noch immer und noch immer glüht die Haut von der Hitze des Tages. „What’s your name? Where‘re you from? Welcome to Ramallah…“ Nach einer Woche im nahen und doch so fernen Osten, scheint vieles so bekannt. Im Restaurant hängen alte Familienbilder – unbekannte Ur-Ur-Großeltern. Sind es meine, oder doch die von dem Jungen auf der anderen Straßenseite? Die Gesichter verraten nichts. Sie könnten überall auf der Welt Zuhause sein. Ramallah. Und das „r“ vibriert in der Kehle. Erschreckend, wie schnell man sich an alles gewöhnt. An die immerwährende Präsenz des Militärs, die Gewehre, vor den man anfänglich noch mit schauderigem Unbehagen zusammenzuckte. An die Geschichten des Leids, an Leben voller Angst, Wut und Unsicherheit. Erschreckend, wie wenig man sich selbst doch kennt. Das Leben geht weiter.

Tag 5 -Ramallah

22. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Nelly Lehr

Völlig verschlafen stolpere ich aus dem Fahrstuhl im achten Stock unseres Luxushotels in den Frühstücksraum. Beruhigt stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, deren Körper noch nicht so richtig in den Wachsein-Modus umgestellt hat- die letzten 5 Tage haben geschlaucht und ich werde von zahlreichen umringten Augen angeguckt. Schnell eine Pita geschnappt und ab in den Bus.
Dort erneut Platzprobleme: Leider passen nur sehr schwierig 20 Leute auf 18 Plätze… Also ein bisschen gequetscht hier, ein bisschen halbe Pobacken auf Kanten gedrückt dort und schon geht die Fahrt los…
Wohin weiß irgendwie noch keiner so richtig, denn Müdigkeit verhindert weiterhin konstruktive Kommunikationen, doch nach einer halben Stunde landen wir in Bethlehem.
Dort empfängt uns ein sympathisch aussehender Mann, mit dunklen Haaren, kariertem Hemd und weißen Jeans. Er stellt sich als Mitglied des Negotians Department der PLO vor. Als was? Richtig, versichert er, er unterstützt die PLO bei Friedensverhandlungen und hätte auch eigentlich heute ein Treffen mit George Mitchell gehabt, das er aber leider wegen uns absagen musste. Die Gruppe schwankt zwischen geehrt und irritiert.
Nach kurzer Vorstellung geht’s im Auto weiter. Wir halten an jüdischen Siedlungen, sehen die niegelnagelneue Mauer und zahlreiche Baustellen, die erahnen lassen, wie die weiteren Pläne aussehen. Kilometerweit ragt die Mauer über die Grenzen von 1967 in palästinensisches Gebiet hinein, das Ganze ist auf der Karte nur ein zentimeterbreiter Streifen, doch in der Realität sieht man, wieviel Land dies tatsächlich ist, und wie es die Lebensrealität vor Ort tangiert…

Hochgesicherte jüdische Siedlung in Betlehem

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Tag 4 – Ein Tag der Extreme

20. Mai 2010, Kommentare (4)

Heute: von Mirko

Für mich, und sicherlich auch für die anderen, war dieser Tag ein Tag der Extreme.
Hebron in der Westbank stand auf dem Programm, was zum einen den Besuch einer sehenswerten, sehr alten Stadt mit langer Geschichte versprach. Ebenso erlebte ich hier den Nahostkonflikt im Kleinen- zum Anfassen.

Ausgangssperren und Repressalien machen die Altstadt menschenleer

Ein paar Eindrücke:

Auf der einen Seite eine menschenverlassene Stadt in einem Sektor, den PalästinenserInnen fast nicht betreten dürfen und der von ultraorthodoxen SiedlerInnen bewohnt wird. Auf der anderen Seite der Checkpoints eine Stadt, die pulsieren will und versucht, einen Alltag zu finden.

Einerseits wird unsere Gruppe von 20 Leuten zu unserer Sicherheit durch 30 Soldaten und Polizisten und mehrere Fahrzeuge eskortiert, zum anderen erfahren wir verbale Angriffe und erleben auf der Fahrt nach Ramallah, was Haarnadelkurven in Wirklichkeit sind und wie man sie am besten möglichst schnell hinter sich lässt.
Links im Grab der Patriarchen betreten wir die Moschee, rechts die Synagoge.
Hinter den Mauern der verlassenen Straßen werden uns in gemütlicher Runde und faszinierender Gastfreundschaft Falafel, Tee und Kuchen angeboten.
Immer wieder neue Welten tun sich hinter weiteren Checkpoints auf, polizeilichen Anweisungen folgen neue Anweisungen.

Hebron ist in zwei Sektoren geteilt, im Sektor der Altstadt wohnen Siedler und Palästinenser in unmittelbrer Nähe. Das Stadtbild prägen Netze und Schutzzäune, um die Bewohner und Bewohnerinnen  zu schützen.

Auf einer Straße joggen Siedler mit Maschinengewehr, Palaestinenser passieren den Checkpoint.

Netze und Gitter praegen das Stadtbild

Ein Tag vieler Extreme…

Geaendert am: 22.05.2010, 23.11Uhr

Tag 3 – Verbunden

19. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Christin Renno

 

Yad Vashem

Wir in der Altstadt Jerusalems

Bewunderung der Heiligtuemer, Erhaben ueber der Stadt

Praesenz des Militaers, die Hand am Abzug der Gewehre

Wir in der Gedenkstaette Jad Vashem

Schrecken des Holocausts, sichtbar und gegenwaertig in Gespraech und Ausstellung

Sonnenschein ueber den Mahnmalen, scheinbarer Frieden?

Wir in der Hebrew University

Konstruktiver Austausch ueber die Holocaustvermittlung in Israel und Deutschland

Meinungen, die erschreckend aufeinanderprallen

Weit und zugleich nah sind wir dem Gesehenen, Gehoertem und Gelebten

Nur eines wird bewusst: Entziehen ist unmoeglich, denn wir sind mit den Menschen verbunden

Über diesen Blog

Das "Unterwegs"-Blog der Heinrich-Böll-Stiftung bietet eine Plattform für Berichte und Artikel von unterschiedlichsten Reisen im Rahmen der Stiftung. Ob die Reisen von Stipdentiat_innen, der Freundinnen und Freunde oder eines Referates - wer für die Stiftung unterwegs ist und seine Eindrücke bloggen möchte, kann dies hier tun.

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