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	<title>Unterwegs &#187; Stipendiat_innen</title>
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		<title>Tag 2: Reisebericht Moskau</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Jun 2010 09:04:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peggymarquardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
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		<description><![CDATA[Lieber Heinrich! Ich hoffe Dir geht es gut, in Moskau läuft alles super. Ich habe mich gleich freiwillig gemeldet, um dir das Neueste von heute zu bloggen. Das Hostel ist in schlichtem Sowjetcharme gehalten (im positiven Sinne), und das Frühstück erinnert auch etwas an die Geschichte Russlands. Aber wir mögen es alle sehr und freuen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Heinrich!</p>
<p>Ich hoffe Dir geht es gut, in Moskau läuft alles super. Ich habe mich gleich freiwillig gemeldet, um dir das Neueste von heute zu bloggen.</p>
<p>Das Hostel ist in schlichtem Sowjetcharme gehalten (im positiven Sinne), und das Frühstück erinnert auch etwas an die Geschichte Russlands. Aber wir mögen es alle sehr und freuen uns immer auf den Tag in dieser riesigen, aufregenden Stadt. Die Metro ist der Hammer und wir sind alle von der improvisierten, aber funktionierenden russischen Hauptstadt begeistert, vielleicht auch manchmal überfordert (diese Anekdoten erzählen wir dir dann zu Hause&#8230;)</p>
<p>Wir haben heute wirklich viel erlebt: Obwohl die meisten von uns nicht so viel geschlafen haben, haben wir uns alle (fast) pünktlich um 7:50 Uhr (Moskauer Zeit; nach Berliner war es 5:50 Uhr) an unserem Treffpunkt eingefunden., um die Stadt zu erobern. Wir haben die Redaktion von Radio Svoboda (Radio Liberty) hier in Moskau besucht und ein tiefgründiges Gespräch mit einer der ChefredakteurInnen geführt. Obwohl die Radioanstalt von amerikanischen Geldern abhängig ist, wurde mir klar, dass auch dieses Medium für Medienvielfalt in Russland beiträgt.</p>
<p>Dagegen fanden viele das Gespräch im Institut für Journalismus in Extremsituationen nicht so informativ, da unsere GespraechspartnerInnen in ihren Antworten auf unsere kritischen Fragen sehr wage geblieben sind.</p>
<p>Das Highlight des Tages war unangefochten unser Besuch in der Redaktion von Novaja Gazeta: Wir haben junge, kluge und engagierte JournalistInnen getroffen, die man sich gerne als Vorbild nehmen möchte. Danach sind sogar einige mit uns in ein tolles Restaurant in einem Keller (ich habe den Namen vergessen) gegangen und wir konnten den Abend bei russischen Spezialitäten und allerlei persönlichen Erfahrungsberichten ausklinken lassen.</p>
<p>Wir halten dich auf jeden Fall auf dem Laufenden! Denn wir haben uns für die naechsten Tage sehr viel vorgenommen&#8230;</p>
<p>Herzlich,<br />
Mohamed, der einmal als Enkel von Boell bezeichnet wurde</p>
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		<title>Tag 1: Reisebericht Moskau</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 10:27:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peggymarquardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Moskau]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieber Heinrich, heute morgen begann unsere Reise nach Russland mit dem Abflug in Berlin. Für viele von uns der Beginn eines kleinen Abenteuers, vor allem für jene, die noch nie zuvor in Russland waren. Mit der Ankunft am Flughafen Vnukovo fand dieses Reiseunternehmen auch gleich einen ganz interessanten Auftakt: Insgesamt zwei Stunden durften wir warten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lieber Heinrich,</p>
<p>heute morgen begann unsere Reise nach Russland mit dem Abflug in Berlin. Für viele von uns der Beginn eines kleinen Abenteuers, vor allem für jene, die noch nie zuvor in Russland waren. Mit der Ankunft am Flughafen Vnukovo fand dieses Reiseunternehmen auch gleich einen ganz interessanten Auftakt: Insgesamt zwei Stunden durften wir warten, bis wir die Passkontrolle passiert hatten. Wer nun aber glaubt, dies läge daran, dass man dich, Heinrich, und deine Truppe hier eventuell nicht mag, der irrt. Denn alle Passagiere ohne russischen Pass mussten sich in einer der 15 Schlangen einreihen und sich in Geduld üben. Das bot aber schon mal reichlich Zeit für erstes Schnuppern. Schnell konstatierten wir, dass in Vnukovo Rauchern durchaus entgegengekommen wird. In einer Ecke der Wartehalle prangt ein Werbebanner der Zigarettenmarke &#8220;Winston&#8221; (ein bisschen verwirrend, sicherlich hätte man diesen Schriftzug vor 20 Jahren vergeblich an einem Moskauer Flughafen gesucht. Davor stehen ein paar Stehtische, die vor allem von Herren besucht werden. Eingegrenzt wird der Bereich von einer roten Linie auf dem Boden, was aber nicht verhindert, dass sich die Rauchschwaden einen Weg über die Köpfe der ungedulgigen Neuankömmliche suchen &#8230;</p>
<p>Fuer Erheiterung sorgten die Anstrengungen, die einzelne Personen immer wieder zeigten, um das Warten abrupt abzukürzen. Einer erklärte, er müsse sofort ins Krankenhaus, andere Personen verwiesen auf ihre quengelnden Kinder. Wiederum andere Drängler sagten einfach gar nichts und schlichen sich von der Seite in die Schlange. Aber unsere Reiseleiterin Simone drehte nach einiger Zeit richtig auf und verteidigte auf Russsisch tapfer die Position unserer Gruppe an der Spitze der Schlange, die wir irgendwann erlangt hatten &#8211; Chapeau!</p>
<p>Vom Flughafen brachte uns der der Expresszug in die Stadt (in dem seltsamerweis auf Flachbildschirmen die norwegische Fauna und Städtewelt beworben wurde&#8230;), vorbei ging es an Wäldern, ehe wir recht bald direkt ins Moskauer Häusermeer eintauchten, dessen Ausmasse wir zuvor bei unserem Anflug bereits erahnen konnten.</p>
<p>Nach einem Abendessen mit den MitarbeiterInnen des Moskauer Büros der Heinrich-Böll-Stiftungin bezogen wir unser Hostel. Mitten in der Stadt wohnen wir nun; umgeben von mehreren Hochhäusern wirkt unser im 5. Stock eines Altbaus gelegenes Hostel etwas eingeklemmt. Dafuer ist der Blick auf die breite, sechsspurige Strasse von hier oben umso beeindruckender.</p>
<p>Trotz der Strapazen der Reise und der zweistündigen Zeitumstellung machten wir uns anschliessend noch einmal für einen längeren Spaziergang auf. Abends um 23 Uhr Ortszeit standen wir dann endlich am Rande des Roten Platz. Ein paar andere Touristen waren da noch, ansonsten war leider nicht viel begehbar, da die Reste der festlichen Aktivitäten vom Wochenende (Samstag war in Russland Feiertag) noch abgebaut wurden.</p>
<p>Soweit also unser erster Tag hier in Moskau. Ich denke, lieber Heinrich, dass wir hier eine spannende Zeit haben werden und freue mich jetzt schon auf die Woche!</p>
<p>Johannes</p>
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		<title>Reiseberichte Moskau</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Jun 2010 08:32:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>peggymarquardt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Medienvielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Reisebericht]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>

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		<description><![CDATA[Jung, modern, rasant &#8211; das ist Moskau. Für einige StipendiatInnen des Programms &#8220;Medienvielfalt anders&#8221; Grund genug, sich dort einmal genauer umzuschauen. Als künftige JournalistInnen interessiert sie aber in erster Linie die Rolle der Medien in Russland. Das ist auch das Thema der einwöchigen Reise, von der die StipendiatInnen in diesem Blog berichten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jung, modern, rasant &#8211; das ist Moskau. Für einige StipendiatInnen des Programms &#8220;Medienvielfalt anders&#8221; Grund genug, sich dort einmal genauer umzuschauen. Als künftige JournalistInnen interessiert sie aber in erster Linie die Rolle der Medien in Russland. Das ist auch das Thema der einwöchigen Reise, von der die StipendiatInnen in diesem Blog berichten.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Tag 10 &#8211; Recherchereisen</title>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 16:57:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Hebron]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>

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		<description><![CDATA[Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, verstreut in der ganzen Region. Von Haifa bis Jaffa, von Jenin bis Hebron &#8211; am Research-Tag reisten wir individuell zu Orten und Menschen, über die wir mehr herausfinden wollten. Hier ein paar Eindrücke: Maria Ketzmerick besuchte mit einer Aktivistin von Machsom Watch Checkpoints der israelischen Armee: Benni Hammer fuhr noch einmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, verstreut in der ganzen Region.</p>
<p>Von Haifa bis Jaffa, von Jenin bis Hebron &#8211; am Research-Tag reisten wir individuell zu Orten und Menschen, über die wir mehr herausfinden wollten. Hier ein paar Eindrücke:</p>
<p><strong>Maria Ketzmerick besuchte mit einer Aktivistin von <em>Machsom Watch</em> Checkpoints der israelischen Armee:</strong></p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/IMG_3053.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-89" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/IMG_3053-768x1024.jpg" alt="" width="391" height="521" /></a></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><span id="more-94"></span></p>
<p><strong>Benni Hammer fuhr noch einmal nach Hebron:</strong></p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/PICT0084.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-92" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/PICT0084-1024x768.jpg" alt="" width="446" height="334" /></a></p>
<p><strong>Mirko besuchte das International Center in Bethlehem:</strong></p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/IMG_2257.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-88" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/IMG_2257-1024x768.jpg" alt="" width="446" height="334" /></a></p>
<p><strong>Fabian Flues fuhr nach Ostjerusalem, um die Folgen des Mauerbaus zu  erforschen:</strong></p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P1040071.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-91" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P1040071.jpg" alt="" width="461" height="614" /></a></p>
<p><strong>Jacob Schewe sprach mit Eran und Miki über ihre Ehe zwischen einem<br />
Atheisten und einer orthodoxen Jüdin, und über die Trennlinien<br />
zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen und religiösen Gruppen<br />
in Israel :<a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P10103461.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-112" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P10103461-768x1024.jpg" alt="" width="558" height="744" /></a></strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Tag 8-Totes Meer</title>
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		<pubDate>Tue, 25 May 2010 18:09:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Totes Meer]]></category>
		<category><![CDATA[Wasser]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute: von Tobias Ide Wo (noch) Milch und Honig fließt? Obwohl dieser Satz wohl in so ziemlich jedem Reiseführer zu Israel/Palästina zu finden ist, trifft folgende Floskel zu gut auf den heutigen Tag zu, um sie nicht zu erwähnen: Israel/Palästina ist ein Land der Gegensätze. Nach vier Tagen starker Eindrücke von der israelischen Besatzungspolitik durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute: von Tobias Ide</em></p>
<p><strong>Wo (noch) Milch und Honig fließt?</strong></p>
<p>Obwohl dieser Satz wohl in so ziemlich jedem Reiseführer zu Israel/Palästina zu finden ist, trifft folgende Floskel zu gut auf den heutigen Tag zu, um sie nicht zu erwähnen: Israel/Palästina ist ein Land der Gegensätze.</p>
<p>Nach vier Tagen starker Eindrücke von der israelischen Besatzungspolitik durch ein enges Programm in Ramallah und Ostjerusalem konnten wir heute einige entspannende Momente genießen. Mit dem Bus ging es vom Ölberg aus durch eine faszinierende Wüstenlandschaft, vorbei an der religionsgeschichtlich bedeutenden Fundstätte Qumran zum Nationalpark El Gedi. Dieser ist im wahrsten Sinne des Wortes eine grüne Oase. Umgeben von sengender Wüstenhitze kann man eine eindrucksvolle Bergformation entlang eines Wasserfalls erklimmen und findet immer wieder kühlende Badestellen und schattenspendende Palmen. Trotzdem wurden wir immer wieder an die Präsenz des Konflikts erinnert: durch stacheldrahtbesetzte Zäune auf den Berggipfeln; durch eine Broschüre des Nationalparks, die Israel in seinen international nicht anerkannten Grenzen zeichnet und die Präsenz jeglicher palästinensischer Ortschaften ignoriert; und zuletzt durch zwei Vorträge, die uns die Wasserknappheit im Nahen Osten und deren möglicherweise konfliktverschärfende Wirkung vor Augen führten. Nicht nur ist Wasser in der Region knapp und wird als Folge des Klimawandels und der Übernutzung der Grundwasserspeicher in Zukunft noch weniger verfügbar sein. Auch die ungleiche Verteilung – einem Israeli steht im Durchschnitt vier Mal so viel Wasser zur Verfügung wie einem Palästinenser – machte uns nachdenklich.</p>
<p>Das einmalige Erlebnis des Badens im Toten Meer und der anschließende Kampf um einen Dusche zwecks Erfrischung und Entsalzung sorgte wieder für Entspannung, oder zumindest Ablenkung.</p>
<div id="attachment_83" class="wp-caption alignnone" style="width: 568px"><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Bild-398.jpg"><img class="size-large wp-image-83" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Bild-398-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a><p class="wp-caption-text">Gesunkener Wasserspiegel des Toten Meeres infolge von Übernutzung</p></div>
<p>Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Kibbuz in der Nähe von Sderot, in eine Gegend also, die immer wieder durch von Extremisten aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen gebeutelt wird. Doch erneut ließ uns die Frage nach der israelisch-palästinensischen Umwelt nicht los. Zahlreiche landwirtschaftliche Oasen, durch künstliche Bewässerung in Mitten der Wüste am Leben erhalten, säumten unseren Weg. Können wir mit dieser wasserintensiven Politik auf Kosten der Palästinenser und zukünftiger Bewohner der Region einverstanden sein, gerade, weil die Landwirtschaft nur zwei Prozent zum israelischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt? Und falls nicht: Wie könnte man die Situation verändern? Wäre ein hoch umstrittener Boykott israelischer Agrarprodukte die Lösung? Oder gäbe es andere Wege?</p>
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		</item>
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		<title>Tag 6 &#8211; Ramallah</title>
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		<pubDate>Sun, 23 May 2010 09:22:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute: von Yulia Lokshina Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Ra-mal-lah. Grelles Licht und schwindelig summendes Straßenleben. Vorbei an Datteln und Aprikosen, Gewürzen und wehenden Stoffen. Der große Markt ist reiner Wirbel, der einen immer weiter in die Tiefe saugt. Zwischen den Reihen schleichen Jungs und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute: von Yulia Lokshina</em></p>
<p><em>Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne</em>. Ra-mal-lah.</p>
<p>Grelles Licht und schwindelig summendes Straßenleben. Vorbei an Datteln und Aprikosen, Gewürzen und wehenden Stoffen. Der große Markt ist reiner Wirbel, der einen immer weiter in die Tiefe saugt. Zwischen den Reihen schleichen Jungs und bieten einem an in großen Supermarktwägen die Einkäufe hinterher zu fahren. Jede Ecke scheint einen zu sich zu rufen. Mit der untergehenden Sonne legt sich der erlösende frische Wind über die Straßen, und fegt die letzten Frauen davon. Die Autos hupen noch immer und noch immer glüht die Haut von der Hitze des Tages<em>. „What’s your name? Where‘re you from? Welcome to Ramallah…“</em> Nach einer Woche im nahen und doch so fernen Osten, scheint vieles so bekannt. Im Restaurant hängen alte Familienbilder – unbekannte Ur-Ur-Großeltern. Sind es meine, oder doch die von dem Jungen auf der anderen Straßenseite? Die Gesichter verraten nichts. Sie könnten überall auf der Welt Zuhause sein. Ramallah. Und das „r“ vibriert in der Kehle. Erschreckend, wie schnell man sich an alles gewöhnt. An die immerwährende Präsenz des Militärs, die Gewehre, vor den man anfänglich noch mit schauderigem Unbehagen zusammenzuckte. An die Geschichten des Leids, an Leben voller Angst, Wut und Unsicherheit. Erschreckend, wie wenig man sich selbst doch kennt. Das Leben geht weiter.</p>
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		<title>Tag 5 -Ramallah</title>
		<link>http://unterwegs.boellblog.org/2010/05/22/tag-5-ramallah/</link>
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		<pubDate>Sat, 22 May 2010 19:59:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>
		<category><![CDATA[Ramallah]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute: von Nelly Lehr Völlig verschlafen stolpere ich aus dem Fahrstuhl im achten Stock unseres Luxushotels in den Frühstücksraum. Beruhigt stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, deren Körper noch nicht so richtig in den Wachsein-Modus umgestellt hat- die letzten 5 Tage haben geschlaucht und ich werde von zahlreichen umringten Augen angeguckt. Schnell [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute: von Nelly Lehr</em></p>
<p>Völlig verschlafen stolpere ich aus dem Fahrstuhl im achten Stock unseres Luxushotels in den Frühstücksraum. Beruhigt stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, deren Körper noch nicht so richtig in den Wachsein-Modus umgestellt hat- die letzten 5 Tage haben geschlaucht und ich werde von zahlreichen umringten Augen angeguckt. Schnell eine Pita geschnappt und ab in den Bus.<br />
Dort erneut Platzprobleme: Leider passen nur sehr schwierig 20 Leute auf 18 Plätze&#8230; Also ein bisschen gequetscht hier, ein bisschen halbe Pobacken auf Kanten gedrückt dort und schon geht die Fahrt los&#8230;<br />
Wohin weiß irgendwie noch keiner so richtig, denn Müdigkeit verhindert weiterhin konstruktive Kommunikationen, doch nach einer halben Stunde landen wir in Bethlehem.<br />
Dort empfängt uns ein sympathisch aussehender Mann, mit dunklen Haaren, kariertem Hemd und weißen Jeans. Er stellt sich als Mitglied des Negotians Department der PLO vor. Als was? Richtig, versichert er, er unterstützt die PLO bei Friedensverhandlungen und hätte auch eigentlich heute ein Treffen mit George Mitchell gehabt, das er aber leider wegen uns absagen musste. Die Gruppe schwankt zwischen geehrt und irritiert.<br />
Nach kurzer Vorstellung geht’s im Auto weiter. Wir halten an jüdischen Siedlungen, sehen die niegelnagelneue Mauer und zahlreiche Baustellen, die erahnen lassen, wie die weiteren Pläne aussehen. Kilometerweit ragt die Mauer über die Grenzen von 1967 in palästinensisches Gebiet hinein, das Ganze ist auf der Karte nur ein zentimeterbreiter Streifen, doch in der Realität sieht man, wieviel Land dies tatsächlich ist, und wie es die Lebensrealität vor Ort tangiert&#8230;</p>
<div id="attachment_65" class="wp-caption aligncenter" style="width: 568px"><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah1.jpg"><img class="size-large wp-image-65 " src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah1-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a><p class="wp-caption-text">Hochgesicherte jüdische Siedlung in Betlehem</p></div>
<p><span id="more-60"></span>Nach zwei Stunden geht es weiter. Nächster Programmpunkt: Das Böll-Büro in Ramallah. Problem ist nur, dass man auf dem Weg dorthin an einem der berühmten Checkpoints vorbei muss, den Kontrollstellen mit israelischen Soldaten. Die Stimmung wird unruhig, als wir uns dem Checkpoint nähern, denn die dortigen Soldaten sind für besondere Härte und Willkür international berühmt&#8230;  Die Pässe werden rausgeholt und alle im Bus versuchen krampfhaft so auszusehen, als ob die Anzahl der im Bus befindlichen Leute zumindest mit der Anzahl der Sitzplätze im Bus übereinstimmen würde.<br />
Nach kurzem Warten kommt eine Ansage vom Busfahrer. Hier kämen wir nicht durch, man solle es beim nächsten Checkpoint 10 Kilometer entfernt probieren. Angesichts des ohnehin sehr knappen Zeitplans ein weiterer Stressfaktor. Im Bus brechen erste Verhandlungen über das Streichen von Toilettenpausen aus&#8230;</p>
<p>Beim nächsten Checkpoint angekommen werden wir zur Seite gewunken und aus dem Bus rausgeholt. Man schickt uns in ein Gebäude mit Gepäckdurchleuchtung und Metalldetektor. Einmal durch alle Sicherheitsschranken, vorbei an einer israelischen Soldatin, die desinteressiert mit einem halben Auge auf unsere Pässe schielt und ab geht’s wieder in den Bus&#8230;<br />
Mit einem winzigen Einblick von dem, was einige Leute an israelischen Sicherheitskontrollen durchaus häufiger über sich ergehen lassen müssen&#8230;</p>
<p>Beim Böll-Büro landen wir mit einer Stunde Verspätung. Schnell noch ein Falafel und schon beginnt ein Aktivist von Medico, einer deutschen NGO, die unter anderem in der Westbank und im Gazastreifen arbeitet, die soeben in Bethlehem gesehene Situation noch einmal mit Karten mit vielen bunten Zonen und Grenzen zu verdeutlichen. Trotz Erschöpfung von Hitze, wenig Schlaf und langen Autofahrten hören alle interessiert den Berichten von eigener Arbeit und politischer Situation zu.</p>
<p>Anschließend geht es auf Erkundungstour durch Ramallah. Zuerst auf eigene Faust auf den Markt, ein kulinarisches Märchen aus 1001 Nacht&#8230;<a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah2.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-67" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah2-768x1024.jpg" alt="" width="391" height="521" /></a></p>
<p>später mit Stadtführung. Eine Stadt, die einem den Atem nimmt, irgendwo zwischen Orient und westlicher Welt, zwischen Traditionsbewusstsein und säkularisierter Moderne, zwischen<br />
friedlichem Alltag und politischer Instabilität&#8230;<a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah31.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-69" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah31-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a></p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah41.jpg"><img class="alignnone size-large wp-image-71" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Ramallah41-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a></p>
<p><img src="///Users/timme/Library/Caches/TemporaryItems/moz-screenshot-1.png" alt="" /></p>
<p><img src="///Users/timme/Library/Caches/TemporaryItems/moz-screenshot-2.png" alt="" /></p>
<p><img src="///Users/timme/Library/Caches/TemporaryItems/moz-screenshot.png" alt="" /></p>
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		<title>Tag 4 &#8211; Ein Tag der Extreme</title>
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		<pubDate>Thu, 20 May 2010 07:02:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Palästina]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute: von Mirko Für mich, und sicherlich auch für die anderen, war dieser Tag ein Tag der Extreme. Hebron in der Westbank stand auf dem Programm, was zum einen den Besuch einer sehenswerten, sehr alten Stadt mit langer Geschichte versprach. Ebenso erlebte ich hier den Nahostkonflikt im Kleinen- zum Anfassen. Ausgangssperren und Repressalien machen die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute: von Mirko</em></p>
<p>Für mich, und sicherlich auch für die anderen, war dieser Tag ein Tag der Extreme.<br />
Hebron in der Westbank stand auf dem Programm, was zum einen den Besuch einer sehenswerten, sehr alten Stadt mit langer Geschichte versprach. Ebenso erlebte ich hier den Nahostkonflikt im Kleinen- zum Anfassen.</p>
<p><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4-001.jpg"><img src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4-001.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a></p>
<div>
<dl><strong><em>Ausgangssperren und Repressalien machen die Altstadt menschenleer</em></strong></dl>
</div>
<p>Ein paar Eindrücke:</p>
<p>Auf der einen Seite eine menschenverlassene Stadt in einem Sektor, den PalästinenserInnen fast nicht betreten dürfen und der von ultraorthodoxen SiedlerInnen bewohnt wird. Auf der anderen Seite der Checkpoints eine Stadt, die pulsieren will und versucht, einen Alltag zu finden.</p>
<p>Einerseits wird unsere Gruppe von 20 Leuten zu unserer Sicherheit durch 30 Soldaten und Polizisten und mehrere Fahrzeuge eskortiert, zum anderen erfahren wir verbale Angriffe und erleben auf der Fahrt nach Ramallah, was Haarnadelkurven in Wirklichkeit sind und wie man sie am besten möglichst schnell hinter sich lässt.<br />
Links im Grab der Patriarchen betreten wir die Moschee, rechts die Synagoge.<br />
Hinter den Mauern der verlassenen Straßen werden uns in gemütlicher Runde und faszinierender Gastfreundschaft Falafel, Tee und Kuchen angeboten.<br />
Immer wieder neue Welten tun sich hinter weiteren Checkpoints auf, polizeilichen Anweisungen folgen neue Anweisungen.</p>
<p>Hebron ist in zwei Sektoren geteilt, im Sektor der Altstadt wohnen Siedler und Palästinenser in unmittelbrer Nähe. Das Stadtbild prägen Netze und Schutzzäune, um die Bewohner und Bewohnerinnen  zu schützen.</p>
<p>Auf einer Straße joggen Siedler mit Maschinengewehr, Palaestinenser passieren den Checkpoint.</p>
<div class="mceTemp">
<div>
<dl><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4-002.jpg"><img src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4-002.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a> </dl>
<dl><strong><em>Netze und Gitter praegen das Stadtbild</em></strong></dl>
</div>
</div>
<p>Ein Tag vieler Extreme&#8230;</p>
<p><em>Geaendert am: 22.05.2010</em>, 23.11Uhr</p>
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		<title>Tag 3 &#8211; Verbunden</title>
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		<pubDate>Wed, 19 May 2010 07:23:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute: von Christin Renno   Wir in der Altstadt Jerusalems Bewunderung der Heiligtuemer, Erhaben ueber der Stadt Praesenz des Militaers, die Hand am Abzug der Gewehre Wir in der Gedenkstaette Jad Vashem Schrecken des Holocausts, sichtbar und gegenwaertig in Gespraech und Ausstellung Sonnenschein ueber den Mahnmalen, scheinbarer Frieden? Wir in der Hebrew University Konstruktiver Austausch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute: von Christin Renno</em></p>
<div><em> </em></div>
<div><em></em></div>
<p><em></p>
<div id="attachment_50" class="wp-caption alignnone" style="width: 810px"><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4.jpg"><img class="size-full wp-image-50" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/Tag4.jpg" alt="" width="800" height="600" /></a><p class="wp-caption-text">Yad Vashem</p></div>
<p></em></p>
<p>Wir in der Altstadt Jerusalems</p>
<p>Bewunderung der Heiligtuemer, Erhaben ueber der Stadt</p>
<p>Praesenz des Militaers, die Hand am Abzug der Gewehre</p>
<p>Wir in der Gedenkstaette Jad Vashem</p>
<p>Schrecken des Holocausts, sichtbar und gegenwaertig in Gespraech und Ausstellung</p>
<p>Sonnenschein ueber den Mahnmalen, scheinbarer Frieden?</p>
<p>Wir in der Hebrew University</p>
<p>Konstruktiver Austausch ueber die Holocaustvermittlung in Israel und Deutschland</p>
<p>Meinungen, die erschreckend aufeinanderprallen</p>
<p>Weit und zugleich nah sind wir dem Gesehenen, Gehoertem und Gelebten</p>
<p>Nur eines wird bewusst: Entziehen ist unmoeglich, denn wir sind mit den Menschen verbunden</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Tag 2 &#8211; Koexistenz?</title>
		<link>http://unterwegs.boellblog.org/2010/05/17/tag-2-koexistenz/</link>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 17:45:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benjaminhammer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stipendiat_innen]]></category>
		<category><![CDATA[Beit Ha Gefen]]></category>
		<category><![CDATA[Haifa]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute von: Mareike Blum und Maria Ketzmerick Ein Land der Gegensätze in jeglicher Hinsicht. Und dabei so pluralistsich. In Israel leben arabische Christen, jüdische Araber oder arabische Israelis und es fällt schwer Meinungen und Positionen zu verorten und kritisch einzuordnen. Dabei ist Israel aber auch klimatisch so angenehm, dass man das Politische am Strand von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Heute von: Mareike Blum und Maria Ketzmerick </em></p>
<p>Ein Land der Gegensätze in jeglicher Hinsicht. Und dabei so pluralistsich. In Israel leben arabische Christen, jüdische Araber oder arabische Israelis und es fällt schwer Meinungen und Positionen zu verorten und kritisch einzuordnen.</p>
<p>Dabei ist Israel aber auch klimatisch so angenehm, dass man das Politische am Strand von Tel Aviv fast vergessen konnte. Nachdem wir in den zwei Tagen in dem unbeschwerten Tel Aviv Zeit hatten uns zu akklimaitiseren, war dieser Tag in Haifa von einem straffen und zugleich erwartungsvollen Programm geprägt. Es stand unter dem zentralen Motto der Koexistenz, die wir in vier höchst unterschiedlichen Perspektiven dargestellt bekommen haben.</p>
<p><a rel="http://unterwegs.boellblog.org/2010/05/17/tag-2-koexistenz/#more-22" href="http://unterwegs.boellblog.org/2010/05/17/tag-2-koexistenz/#more-22" target="_blank"><img src="../files/2010/05/P1010955-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a></p>
<p><span id="more-22"></span><strong> </strong></p>
<p><strong>Das Selbstbild<br />
</strong><br />
Die drittgrößte Stadt im Norden Israels ist bekannt für das gelungene Zusammenleben von Juden, Arabern, Christen und Moslems und den vielen anderen Minderheiten, obwohl Haifa auch sehr unter den Anschlägen der zweiten Intifada gelitten hat. Unsere erste Station war der Besuch an der über der Stadt trohnenden Universität Haifa, die sich besonders damit rühmt das Konzept der Koexistenz in der Realität zu praktizieren.</p>
<p>Nachdem wir freundlich empfangen wurden, hörten wir einen Vortrag im amerikanisch angehauchten Enteraintment-Jargon vom Unibeauftragten des akademischen Auslandamtes zu &#8220;the true meaning of co-existance&#8221;. Der Widerspruch zwischen dem theoretischen Bemühen des gegenseitigen Respekts einerseits und des zionistischen Ethnozentrismus andereseits: Unserer Meinung nach hätte er kaum deutlicher werden können als durch diesen Auftritt. Als wir im Anschluss kritisch nachfragten, inwiefern man angesichts einer insitutionellen Diskriminierung von Minderheiten von einer &#8220;Basis der Gleichheit&#8221; sprechen kann oder wie eine gegensetiges Verständnis und Vertrauen zustande kommen kann, wenn die zwei Seiten durch eine Mauer physisch getrennt werden, wurden wir teilweise mit ausweichenden Antwortstrategien abgespeist. Wir empfanden manche Aussagen als stark relativierend und würden den Vortrag bestenfalls als populärwissenschaftlich bezeichnen. Trotzdem war es sehr interessant diese ideologischen Denkmuster vis-a-vis kennenzulernen. Im Anschluss bekamen wir eine Führung über den Campus. Es wurde immer wieder der offene und internationale Charakter der Uni betont, an der nach Uni-Aussage alle Minderheiten friedlich zusammen lernen und leben. Auffallend waren auch die vielen Student_innen in Armeeuniform, die durch die Gänge liefen. Unser Rundgang endete im 29. Stock des Uniturms, wo wir gefühlten 40 Grad ausgesetzt waren und zum Ausgleich den Ausblick auf die ganze Stadt inklusive ihrer Smogschicht genießen konnten.</p>
<p><strong>&#8220;I&#8217;m loyal  to the state &#8211; when the state is loyal to me?&#8221;<br />
</strong><br />
Um die arabische Perspektive des friedlichen Zusammenlebens zu ermitteln, trafen wir uns anschließend mit Baladna. Die Aktivist_innen von Baladna arbeiten für die Rechte der arabischen Minderheit und haben innerhalb von ein paar Jahren ein Netzwerk aufgebaut, die auch soziale, kulturelle und politische Aktivitäten umfassen. Im Gespräch zeigte sich, dass von der gepriesenen Co-existence vielleicht nicht so viel bei arabischen Studenten ankommt, wie vermeintlich gedacht. Wir erfuhren entgegen der Aussagen des Morgens auch von mangelndem Austausch, Demonstrationsverboten und Diskriminierung. Trotz der überhöhten Raumtemperatur wurde uns deutlich dargestellt, was es wirklich heißt, arabischer Student in Israel zu sein. Vielleicht ist Co-existence eine realitätsferne Vision? Warum wurde dieser Aspekt aber an der Universität so stark betont?</p>
<p>Bei Baladna wurde vor allem auch mangelnde Kommunikation und generelles Unbewusstsein bis hin zur Ignoranz der tatsächlichen Situation arabsicher Studenten als Hauptgründe dargestellt. Dies fängt auch schon beim eigentlich simplen Sprachaspekt an, denn Unterrichts- und Campussprache ist natürlich hebräisch.</p>
<p>Ein Referent sagte uns auch, wie sehr aus seiner Sicht die letzten Wahlergebnisse zur Verchlechterung der Situation beitragen. Ebenso die Frage nach der politischen Repräsentation im Alltag und generell der Rolle der arabischen Israelis wurde überaus kritisch bewertet.</p>
<p><strong>Zusammenleben und Kunst im Wadi<br />
</strong><br />
Nachmittags besuchten wir die Organisation Beit Ha Gefen, die sich für einen nachbarschaftlichen jüdisch-arabischen Austausch in Haifa engagiert. Teile ihrer Arbeit sind beispielsweise eine jüdisch- arabische Bibliothek, Sportaktivitäten sowie gemeinsame Jugendgruppenreisen. Wir machten gemeinsam einen Rundgang durch das arabische Viertel Wadi Nisna. Besonders war die Verbindung der wechselvollen arabisch-jüdischen Geschichte des Viertels, die in Kunstinstallationen an Privathäusern dargestellt wurden. Neben politischen Stücken gab es auch sehr private Kunstwerke, die in Verbindung der malerischen Gebäude Eindruck machten.</p>
<p>Zusammen konnten wir anschließend die besten Spezialitäten und Geheimtipps der arabischen Küche genießen.</p>
<div id="attachment_33" class="wp-caption alignnone" style="width: 568px"><a href="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P10109781.jpg"><img class="size-large wp-image-33" src="http://unterwegs.boellblog.org/files/2010/05/P10109781-1024x768.jpg" alt="" width="558" height="418" /></a><p class="wp-caption-text">Eines unserer Grundnahrungsmittel: Humus</p></div>
<p><strong>Generation 3-D<br />
</strong><br />
Die Organisation Isha le Isha (dt. von Frau zu Frau) ist eine der bekanntesten feministischen Organisationen Israels. Sie setzen vor allem auf Akteursebene an mit dem Fokus auf dem gezielten Empowerment der Frauen vor Ort. Nach diesem langen Tag waren wir Zuschauer eines Vortrags, der sich mit dem Thema der Third-Class-Citizenship befasste, dem Problem der dreifachen Diskriminierung als Frau als arabsiche Minderheit in Israel und ebenso durch die patriachalen Strukturen innerhalb der arabischen Gemeinschaft. Durch den Zusammenschluss mit anderen Organisationen, die sich für Homosexuellenrechte der Feministinnen einsetzt, kam auch dieser Aspekt als weitere Diskriminierung zum Ausdruck. Besonders interessant war für uns die überaus lebhafte Diskussion der Frauen mit zu erleben und auch subjektive Realitäten und Probleme zu erfahren.</p>
<p>Eine Frage drängt sich für uns auf, wir haben sie noch nicht beantworten können: Was hält diese unglaublich heterogene, pluralistische Gesellschaft dann doch zusammen?</p>
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