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Tag 8-Totes Meer

25. Mai 2010,

Heute: von Tobias Ide

Wo (noch) Milch und Honig fließt?

Obwohl dieser Satz wohl in so ziemlich jedem Reiseführer zu Israel/Palästina zu finden ist, trifft folgende Floskel zu gut auf den heutigen Tag zu, um sie nicht zu erwähnen: Israel/Palästina ist ein Land der Gegensätze.

Nach vier Tagen starker Eindrücke von der israelischen Besatzungspolitik durch ein enges Programm in Ramallah und Ostjerusalem konnten wir heute einige entspannende Momente genießen. Mit dem Bus ging es vom Ölberg aus durch eine faszinierende Wüstenlandschaft, vorbei an der religionsgeschichtlich bedeutenden Fundstätte Qumran zum Nationalpark El Gedi. Dieser ist im wahrsten Sinne des Wortes eine grüne Oase. Umgeben von sengender Wüstenhitze kann man eine eindrucksvolle Bergformation entlang eines Wasserfalls erklimmen und findet immer wieder kühlende Badestellen und schattenspendende Palmen. Trotzdem wurden wir immer wieder an die Präsenz des Konflikts erinnert: durch stacheldrahtbesetzte Zäune auf den Berggipfeln; durch eine Broschüre des Nationalparks, die Israel in seinen international nicht anerkannten Grenzen zeichnet und die Präsenz jeglicher palästinensischer Ortschaften ignoriert; und zuletzt durch zwei Vorträge, die uns die Wasserknappheit im Nahen Osten und deren möglicherweise konfliktverschärfende Wirkung vor Augen führten. Nicht nur ist Wasser in der Region knapp und wird als Folge des Klimawandels und der Übernutzung der Grundwasserspeicher in Zukunft noch weniger verfügbar sein. Auch die ungleiche Verteilung – einem Israeli steht im Durchschnitt vier Mal so viel Wasser zur Verfügung wie einem Palästinenser – machte uns nachdenklich.

Das einmalige Erlebnis des Badens im Toten Meer und der anschließende Kampf um einen Dusche zwecks Erfrischung und Entsalzung sorgte wieder für Entspannung, oder zumindest Ablenkung.

Gesunkener Wasserspiegel des Toten Meeres infolge von Übernutzung

Danach machten wir uns auf den Weg zu einem Kibbuz in der Nähe von Sderot, in eine Gegend also, die immer wieder durch von Extremisten aus dem Gaza-Streifen abgefeuerte Raketen gebeutelt wird. Doch erneut ließ uns die Frage nach der israelisch-palästinensischen Umwelt nicht los. Zahlreiche landwirtschaftliche Oasen, durch künstliche Bewässerung in Mitten der Wüste am Leben erhalten, säumten unseren Weg. Können wir mit dieser wasserintensiven Politik auf Kosten der Palästinenser und zukünftiger Bewohner der Region einverstanden sein, gerade, weil die Landwirtschaft nur zwei Prozent zum israelischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt? Und falls nicht: Wie könnte man die Situation verändern? Wäre ein hoch umstrittener Boykott israelischer Agrarprodukte die Lösung? Oder gäbe es andere Wege?

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