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Tag 1: Reisebericht Moskau

15. Juni 2010, von

Lieber Heinrich,

heute morgen begann unsere Reise nach Russland mit dem Abflug in Berlin. Für viele von uns der Beginn eines kleinen Abenteuers, vor allem für jene, die noch nie zuvor in Russland waren. Mit der Ankunft am Flughafen Vnukovo fand dieses Reiseunternehmen auch gleich einen ganz interessanten Auftakt: Insgesamt zwei Stunden durften wir warten, bis wir die Passkontrolle passiert hatten. Wer nun aber glaubt, dies läge daran, dass man dich, Heinrich, und deine Truppe hier eventuell nicht mag, der irrt. Denn alle Passagiere ohne russischen Pass mussten sich in einer der 15 Schlangen einreihen und sich in Geduld üben. Das bot aber schon mal reichlich Zeit für erstes Schnuppern. Schnell konstatierten wir, dass in Vnukovo Rauchern durchaus entgegengekommen wird. In einer Ecke der Wartehalle prangt ein Werbebanner der Zigarettenmarke „Winston“ (ein bisschen verwirrend, sicherlich hätte man diesen Schriftzug vor 20 Jahren vergeblich an einem Moskauer Flughafen gesucht. Davor stehen ein paar Stehtische, die vor allem von Herren besucht werden. Eingegrenzt wird der Bereich von einer roten Linie auf dem Boden, was aber nicht verhindert, dass sich die Rauchschwaden einen Weg über die Köpfe der ungedulgigen Neuankömmliche suchen …

Fuer Erheiterung sorgten die Anstrengungen, die einzelne Personen immer wieder zeigten, um das Warten abrupt abzukürzen. Einer erklärte, er müsse sofort ins Krankenhaus, andere Personen verwiesen auf ihre quengelnden Kinder. Wiederum andere Drängler sagten einfach gar nichts und schlichen sich von der Seite in die Schlange. Aber unsere Reiseleiterin Simone drehte nach einiger Zeit richtig auf und verteidigte auf Russsisch tapfer die Position unserer Gruppe an der Spitze der Schlange, die wir irgendwann erlangt hatten – Chapeau!

Vom Flughafen brachte uns der der Expresszug in die Stadt (in dem seltsamerweis auf Flachbildschirmen die norwegische Fauna und Städtewelt beworben wurde…), vorbei ging es an Wäldern, ehe wir recht bald direkt ins Moskauer Häusermeer eintauchten, dessen Ausmasse wir zuvor bei unserem Anflug bereits erahnen konnten.

Nach einem Abendessen mit den MitarbeiterInnen des Moskauer Büros der Heinrich-Böll-Stiftungin bezogen wir unser Hostel. Mitten in der Stadt wohnen wir nun; umgeben von mehreren Hochhäusern wirkt unser im 5. Stock eines Altbaus gelegenes Hostel etwas eingeklemmt. Dafuer ist der Blick auf die breite, sechsspurige Strasse von hier oben umso beeindruckender.

Trotz der Strapazen der Reise und der zweistündigen Zeitumstellung machten wir uns anschliessend noch einmal für einen längeren Spaziergang auf. Abends um 23 Uhr Ortszeit standen wir dann endlich am Rande des Roten Platz. Ein paar andere Touristen waren da noch, ansonsten war leider nicht viel begehbar, da die Reste der festlichen Aktivitäten vom Wochenende (Samstag war in Russland Feiertag) noch abgebaut wurden.

Soweit also unser erster Tag hier in Moskau. Ich denke, lieber Heinrich, dass wir hier eine spannende Zeit haben werden und freue mich jetzt schon auf die Woche!

Johannes

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