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Artikel getagged mit ‘Palästina’

Tag 6 – Ramallah

23. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Yulia Lokshina

Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Ra-mal-lah.

Grelles Licht und schwindelig summendes Straßenleben. Vorbei an Datteln und Aprikosen, Gewürzen und wehenden Stoffen. Der große Markt ist reiner Wirbel, der einen immer weiter in die Tiefe saugt. Zwischen den Reihen schleichen Jungs und bieten einem an in großen Supermarktwägen die Einkäufe hinterher zu fahren. Jede Ecke scheint einen zu sich zu rufen. Mit der untergehenden Sonne legt sich der erlösende frische Wind über die Straßen, und fegt die letzten Frauen davon. Die Autos hupen noch immer und noch immer glüht die Haut von der Hitze des Tages. „What’s your name? Where‘re you from? Welcome to Ramallah…“ Nach einer Woche im nahen und doch so fernen Osten, scheint vieles so bekannt. Im Restaurant hängen alte Familienbilder – unbekannte Ur-Ur-Großeltern. Sind es meine, oder doch die von dem Jungen auf der anderen Straßenseite? Die Gesichter verraten nichts. Sie könnten überall auf der Welt Zuhause sein. Ramallah. Und das „r“ vibriert in der Kehle. Erschreckend, wie schnell man sich an alles gewöhnt. An die immerwährende Präsenz des Militärs, die Gewehre, vor den man anfänglich noch mit schauderigem Unbehagen zusammenzuckte. An die Geschichten des Leids, an Leben voller Angst, Wut und Unsicherheit. Erschreckend, wie wenig man sich selbst doch kennt. Das Leben geht weiter.

Tag 5 -Ramallah

22. Mai 2010, Comments (0)

Heute: von Nelly Lehr

Völlig verschlafen stolpere ich aus dem Fahrstuhl im achten Stock unseres Luxushotels in den Frühstücksraum. Beruhigt stelle ich fest, dass ich nicht die Einzige bin, deren Körper noch nicht so richtig in den Wachsein-Modus umgestellt hat- die letzten 5 Tage haben geschlaucht und ich werde von zahlreichen umringten Augen angeguckt. Schnell eine Pita geschnappt und ab in den Bus.
Dort erneut Platzprobleme: Leider passen nur sehr schwierig 20 Leute auf 18 Plätze… Also ein bisschen gequetscht hier, ein bisschen halbe Pobacken auf Kanten gedrückt dort und schon geht die Fahrt los…
Wohin weiß irgendwie noch keiner so richtig, denn Müdigkeit verhindert weiterhin konstruktive Kommunikationen, doch nach einer halben Stunde landen wir in Bethlehem.
Dort empfängt uns ein sympathisch aussehender Mann, mit dunklen Haaren, kariertem Hemd und weißen Jeans. Er stellt sich als Mitglied des Negotians Department der PLO vor. Als was? Richtig, versichert er, er unterstützt die PLO bei Friedensverhandlungen und hätte auch eigentlich heute ein Treffen mit George Mitchell gehabt, das er aber leider wegen uns absagen musste. Die Gruppe schwankt zwischen geehrt und irritiert.
Nach kurzer Vorstellung geht’s im Auto weiter. Wir halten an jüdischen Siedlungen, sehen die niegelnagelneue Mauer und zahlreiche Baustellen, die erahnen lassen, wie die weiteren Pläne aussehen. Kilometerweit ragt die Mauer über die Grenzen von 1967 in palästinensisches Gebiet hinein, das Ganze ist auf der Karte nur ein zentimeterbreiter Streifen, doch in der Realität sieht man, wieviel Land dies tatsächlich ist, und wie es die Lebensrealität vor Ort tangiert…

Hochgesicherte jüdische Siedlung in Betlehem

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Tag 4 – Ein Tag der Extreme

20. Mai 2010, Comments (4)

Heute: von Mirko

Für mich, und sicherlich auch für die anderen, war dieser Tag ein Tag der Extreme.
Hebron in der Westbank stand auf dem Programm, was zum einen den Besuch einer sehenswerten, sehr alten Stadt mit langer Geschichte versprach. Ebenso erlebte ich hier den Nahostkonflikt im Kleinen- zum Anfassen.

Ausgangssperren und Repressalien machen die Altstadt menschenleer

Ein paar Eindrücke:

Auf der einen Seite eine menschenverlassene Stadt in einem Sektor, den PalästinenserInnen fast nicht betreten dürfen und der von ultraorthodoxen SiedlerInnen bewohnt wird. Auf der anderen Seite der Checkpoints eine Stadt, die pulsieren will und versucht, einen Alltag zu finden.

Einerseits wird unsere Gruppe von 20 Leuten zu unserer Sicherheit durch 30 Soldaten und Polizisten und mehrere Fahrzeuge eskortiert, zum anderen erfahren wir verbale Angriffe und erleben auf der Fahrt nach Ramallah, was Haarnadelkurven in Wirklichkeit sind und wie man sie am besten möglichst schnell hinter sich lässt.
Links im Grab der Patriarchen betreten wir die Moschee, rechts die Synagoge.
Hinter den Mauern der verlassenen Straßen werden uns in gemütlicher Runde und faszinierender Gastfreundschaft Falafel, Tee und Kuchen angeboten.
Immer wieder neue Welten tun sich hinter weiteren Checkpoints auf, polizeilichen Anweisungen folgen neue Anweisungen.

Hebron ist in zwei Sektoren geteilt, im Sektor der Altstadt wohnen Siedler und Palästinenser in unmittelbrer Nähe. Das Stadtbild prägen Netze und Schutzzäune, um die Bewohner und Bewohnerinnen  zu schützen.

Auf einer Straße joggen Siedler mit Maschinengewehr, Palaestinenser passieren den Checkpoint.

Netze und Gitter praegen das Stadtbild

Ein Tag vieler Extreme…

Geaendert am: 22.05.2010, 23.11Uhr

Bald geht es los: Israel und Palästina

4. Mai 2010, Comments (5)

Unterwegs mit der Heinrich Böll Stiftung. An dieser Stelle bloggen in Zukunft die TeilnehmerInnen von Reisen der HBS. Wir machen den Anfang:  17 StipendiatInnen des Studienwerks der HBS. Unser Ziel: Israel und Palästina. An dieser Stelle gibt es ab dem 15. Mai Texte, Videos, Bilder und mehr. Immer tagesaktuell. Immer von jemand anderem. Immer spannend. Wir freuen uns auf Euren Besuch und Eure Kommentare.

Über diesen Blog

Das "Unterwegs"-Blog der Heinrich-Böll-Stiftung bietet eine Plattform für Berichte und Artikel von unterschiedlichsten Reisen im Rahmen der Stiftung. Ob die Reisen von Stipdentiat_innen, der Freundinnen und Freunde oder eines Referates - wer für die Stiftung unterwegs ist und seine Eindrücke bloggen möchte, kann dies hier tun.

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